Gesetze & Grundlagen

SprengG: Gesetz über explosionsgefährliche Stoffe

1.SprengV: Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz, wichtig für Pyrotechnik

2.SprengV: Zweite Verordnung zum Sprengstoffgesetz, wichtig für Lagerung

VstättV:Versammlungsstättenverordnung, §110

GGVS: Gefahrgutverordnung Straße

GUV 26.22: Unfallverhütungsvorschriften für Pyrotechnik

§7 SprengG: "Wer gewerbsmäßig, selbständig ... oder bei der Beschäftigung von Arbeitnehmern mit explosionsgefährlichen Stoffen umgehen will, ..., bedarf der Erlaubnis."

§20 SprengG: "Die ... verantwortlichen Personen dürfen ihre Tätigkeit nur ausüben, wenn sie einen behördlichen Befähigungsschein besitzen."

-        Erlaubnisinhaber ist der Unternehmer (Theater), Befähigungsscheininhaber der unselbständig Tätige (Angestellter); es kann auch eine Person Befähigungsschein- und Erlaubnisinhaber sein (z.B. bei Selbständigen oder kleineren Firmen)

-        an Erlaubnis ist Haftpflichtversicherung gebunden und mancherorts vorgeschrieben

 

[Klassifizierung]

Pyrotechnische Gegenstände werden nach dem Sprengstoffrecht eingeteilt in:

Pyrotechn. Gegenst. für Vergnügungszwecke

Pyrotechn. Gegenst. für techn. Zwecke

Klasse I

Feuerwerkspielwaren und Scherzartikel (Kleinstfeuerwerk)

Klasse PT1

Bühnenfeuerwerk, Rauchsignale, Fackeln etc.

Klasse II

Kleinfeuerwerk und Silvesterfeuerwerk

Klasse PT2

gefährliches Bühnenfeuerwerk, Handsignale etc.

Klasse III

Mittelfeuerwerk

 

 

Klasse IV

Großfeuerwerk und pyrotechnische Gegenstände ohne Zulassung

 

 

 

 

 

 

-        Alle Gegenstände (außer IV) müssen von der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) zugelassen und klassifiziert sein und eine BAM-Nummer tragen

-        für die Klassen I, II und PT1 ist kein Befähigungsschein notwendig, aber nach §110 VstättV eine Ausnahmegenehmigung (Pyrotechnik ist Feuer!) und theoretisch nach §7 SprengG eine Erlaubnis (ein Theater ist ein gewerblicher Betrieb mit Angestellten!)

-        in Bayern kann GAA auch anordnen, daß beim Umgang mit PT1-Gegenständen ein Theaterfeuerwerker mit Befähigungsschein anwesend sein muß

-        für den Umgang mit Gegenständen der Klasse PT2 ist zusätzlich der Befähigungsschein als Theaterfeuerwerker notwendig, Schein ist beschränkt auf Theater und vergleichbare Einrichtungen (u.U. auch mit Klasse III für Freilichtveranstaltungen)

-        für den Umgang mit Gegenständen der Klassen III und IV ist der Befähigungsschein als Großfeuerwerker notwendig (Lustfeuerwerk)

-        für den Umgang mit allen Klassen + Sprengstoff ist der Befähigungsschein als Film- und Fernsehpyrotechniker notwendig, Schein ist beschränkt auf Film- und Fernsehproduktionsstätten, auch nützlich für Open Air (Klasse III+IV) in Verbindung mit Theaterpyroschein, auschließliches "Lustfeuerwerk" aber nicht möglich

-        für genannte "Scheine" sind jeweilige Lehrgänge erforderlich, an die genaue Zulassungsbedingungen geknüpft sind (bei Lehrgangsträgern erfragen)

 

[Genehmigungsverfahren und Anzeigen]

1.SprengV §23(4): "Effekte in Theater-, Film- und Fernsehproduktionstätten dürfen nur nach Erprobung vorgeführt werden. Für die Erprobung ist die Genehmigung der für den Brandschutz zuständigen Stelle erforderlich. Für die Vorführung in Anwesenheit von Mitwirkenden oder Besuchern ist auch die Genehmigung des Amtes für öffentliche Sicherheit und Ordnung der Gemeinde bzw. der Aufsichtsbehörde erforderlich."

1.SprengV §23(5): "Wer außerhalb der Räume seiner Niederlassung oder auf Tourneen pyrotechnische Effekte in Anwesenheit von Besuchern verwenden will, hat dies zusätzlich der zuständigen Behörde zwei Wochen vorher schriftlich anzuzeigen."

Tips für den Antrag und die Abnahme:

-        Anträge und Anzeigen rechtzeitig und möglichst mehr als 14 Tage vorher einreichen (bei Verspätung kann Strafgebühr fällig werden)

-        Begründung des Antrages mit szenischer Bedingtheit und brandschutztechnischer Unbedenklichkeit

-        jeden Effekt detailliert erklären und dessen Unbedenklichkeit begründen und hervorheben

-        jede Auflage der Behörden exakt erfüllen

 

[Technik]

Pyrotechnik (grch. pyr=Feuer + techne=Kunstfertigkeit) = Kunst, das Feuer zu beherrschen

-        Grundlage sind pyrotechnische Sätze; bestehen aus Oxydations- + Reduktionsmittel

-        Oxydationsmittel liefern Sauerstoff für Reaktion (Nitrate oder Chlorate + Färbemittel)

-        Reduktionsmittel sind der Brennstoff für die Reaktion (Metalle oder Nichtmetalle)

Pyrotechnische Sätze setzen sich in verschiedenen Reaktionsgeschwindigkeiten um:

-        Abbrand: Umsetzung mit Flammenbildung, Fortpflanzungsgeschwindigkeit < 0,1 m/s

-        Deflagration: Umsetzung mit Flammenbildung, Geschw. > Abbrand aber < Schall

-        Detonation: Umsetzung, die mit Überschallgeschwindigkeit und Stoßwelle abläuft

-        Explosion: mechanische Wirkung als Folge des Drucks einer Deflagration oder Detonation

zum Auslösen von Abbränden und Deflagrationen werden Anzündmittel, zum Auslösen von Detonationen Zündmittel (Initialzündung) eingesetzt

-        häufigstes Anzündmittel für Bühnenpyrotechnik sind Brückenzünder

-        Prinzip: ein pyrotechnischer Satz (Zündpille) umschließt einen Glühdraht

-        es gibt A- und U-Zünder (Eselsbrücke: U=unempfindlich), A-Zünder können ab 0,18A und müssen bei 0,8A zünden, bei U-Zündern liegen die Grenzen bei 0,45A bzw. 1,5A

-        in der Praxis rechnet man pro A-Zünder 2V und 0,8A und pro U-Zünder 2V und 1,5A

-        ein 12V-Bleiakku mit 10A kann also auf einmal 6 A-Zünder in Reihe und 10 parallel zünden (nach Adam Ries: insgesamt 60!)

-        Achtung: A- und U-Zünder nicht gemeinsam in einem Schaltkreis anwenden, Versagergefahr!

 

vorgeschriebene Mindestsicherheit von Zündpulten:

-        Schlüsselschalter zum Ausschluß von unbefugter und unbeabsichtigter Auslösung

-        Zündung erfolgt über zwei Schaltelemente, wovon mindestens eines ein Taster sein muß (nur bei ungefährlichen Effekten darf mit einem gegen unbeabsichtigtes Auslösen gesicherten Taster gezündet werden)

-        max. Prüfstrom darf 25mA nicht überschreiten

-        der Anschluß an sonstige Stromquellen, z.B. direkten Netzanschluß ist verboten

-        Bei komplizierten und häufigen Bühneneffekten empfiehlt sich eine DMX-Steuerung. Beleuchtung und Pyroeffekte können synchron und von einer qualifizierten Person gefahren werden, außerdem ist der Ablauf der Effekte speicherbar.

 

[Transport]

Grundsätzlich gilt: Explosivstoffe sind im Transportwesen Gefahrgut!

Rechtsgrundlage: Gesetz über die Beförderung gefährlicher Güter; nicht anwendbar auf:

-        die Beförderung innerhalb von Betrieben

-        im Bereich der Deutschen Post AG

-        im grenzüberschreitenden Verkehr

 

Regelung durch einzelne Verordnungen nach Beförderungsarten (Schiene, Straße, See, Luft)

Gefahrgutverordnung Straße (GGVS) enthält:

 

Einteilung der Explosivstoffe und Gegenstände mit Explosivstoffennach Anlage A GGVS:

 

 

1.1 - 1.4

entsprechen im wesentlichen der Lagergruppeneinteilung gemäß 2.SprengV

1,5

sehr unempfindliche Stoffe und Gegenstände

1,6

extrem unempfindliche Stoffe

 

[Rechts-, Arbeits- & Brandschutz]

Für die eigene rechtliche Absicherung (techn. Leiter, Bühnenmeister, Pyrotechniker) ist es nützlich zu wissen:

-        welche Institution oder Person im Theater oder Unternehmen ist der Erlaubnisinhaber (Einblicknahme zum Vergleich der erlaubten Klassen und Tätigkeiten; nur was in Erlaubnis und Befähigungsschein steht, darf auch ausgeführt werden)

-        gibt es eine explizite Pyro-Haftpflichtversicherung und was deckt sie ab (normale Gewerbehaftpflichtversicherungen haben eine Explosivstoffausschlußklausel!)

-        als Befähigungsscheininhaber nur Effekte durchführen, die man verantworten kann; alles andere ist abzulehnen oder durch weniger gefährliches zu ersetzen!

 

Checkliste Sicherheitsaufgaben:

-        Gebrauchsanweisung des Effektes einhalten

-        Gefahrenbereich absperren (Zutrittsverbot bei Montage, Hinweisschilder)

-        Bereitstellen von Feuerlöschgerät

-        Verbot Rauchen & offenes Licht (Schild)

-        Erste Hilfe organisiert?

-        bei Abbrennen vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zu Personen und brennbaren Objekten unbedingt einhalten

-        ungehinderte Sicht auf den Abbrennplatz

-        nur eine Person verantwortlich für Effekte

-        Anzahl der auf der Bühne vorhandenen pyrotechn. Gegenstände ist auf den tatsächlichen Bedarf zu beschränken

-        Schlüssel des Zündgerätes immer im Besitz des Pyrotechnikers      

-        bei Montage und Verkabelung der Effekte Spannungsfreiheit herstellen (Zündgerät ausschalten und Schlüssel abziehen)

 

Checkliste für den Notfall (wichtig bei Gastspielen):

 

 

Einrichtung

Wo?

Name

Tel.

- Erst-Helfer

- Verbandskasten

- Erste-Hilfe-Raum

- Notarzt/Rettungsdienst

- Brandwache

- Feuerlöscheinrichtungen

- Nächstes Telefon

- usw.

 

 

 

 

bühnenspezifische Sicherheitsmaßnahmen:

-       Bühnenschlitze im Sicherheitsbereich abdecken (Schwelbrandgefahr)

-        Blechplatten oder Brandschutzdecken in Gefahrenbereichen auslegen

-        ausreichende Einweisungen und Proben für Beteiligte

-        Zündkabel markieren (Verwechslungsgefahr)

-        bei hoher Brandgefahr sollten geeignete Effekte (Fontänen oder Feuerräder) in Kästen aus Blech und Plexiglas abgebrannt werden (Druckausgleichsöffnungen nicht vergessen)

-        !!! Alle unbekannten Effekte unbedingt vorher an sicherer Stelle im Freien ausprobieren !!!

-        je nach Rauchentwicklung für ausreichende Belüftung sorgen

Kennzeichnung des Sicherheitsbereiches und Sicherung vor dem Zugriff Unbefugter